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Sicher essen während der Therapie

Hygiene, Lebensmittelsicherheit, Neutropenie-Kost, Wechselwirkungen — mit Quellen.

Wichtiger Hinweis. Diese Informationen ersetzen keine medizinische Beratung. Besprich Ernährungsfragen immer mit deinem Behandlungsteam — besonders bei Neutropenie, Unverträglichkeiten oder Allergien.

Hygiene in der Küche

  • Hände gründlich waschen vor der Zubereitung
  • Arbeitsflächen und Schneidebretter regelmäßig reinigen (getrennte Brettchen für Fleisch/Gemüse)
  • Rohes Fleisch getrennt von anderen Lebensmitteln lagern und verarbeiten
  • Küchenschwämme und -tücher mindestens wöchentlich wechseln
  • Kühlschrank bei unter 7 °C halten

Lebensmittellagerung

  • Kühlkette einhalten
  • Mindesthaltbarkeitsdatum beachten — auf sichtbare Veränderungen prüfen
  • Angebrochene Packungen zügig verbrauchen
  • Reste innerhalb von 1–2 Tagen aufbrauchen und vor Verzehr gut durcherhitzen (mind. 70 °C Kerntemperatur für 2 Minuten)

Bei Neutropenie / stark geschwächtem Immunsystem

Bei Neutrophilen-Zahl < 1000 /µL (oder bei anderer Indikation durch das Behandlungsteam) besonders strenge Regeln:

Meiden:

  • Rohes Fleisch (Tatar, Mett, Carpaccio), roher Fisch (Sushi, Räucherfisch), rohe Eier (Tiramisu, selbstgemachte Mayo, Zabaione)
  • Rohmilch und Rohmilchprodukte (Roquefort, Camembert aus Rohmilch, Feta aus Rohmilch); Rinde von Weichkäse generell entfernen
  • Keimlinge / Sprossen (hohes Kontaminationsrisiko)
  • Unerhitzte Salate aus Gemeinschaftsbuffets, offene Wurst- und Käsetheken
  • Honig bei Mukositis (Bakterienbelastung möglich)
  • Leitungswasser aus unbekannten Quellen, Eiswürfel außerhalb zu Hause

Bevorzugen:

  • Nur pasteurisierte Milchprodukte
  • Obst und Gemüse gründlich waschen — dick schälen (Apfel, Birne, Gurke) oder dampfgaren
  • Frisch gegartes warm essen, Durchgaren statt „saftig rosa"
  • Industriell abgefülltes stilles Wasser oder abgekochtes Leitungswasser
  • H-Milch-Produkte, pasteurisierte Fruchtsäfte

Quelle: Krebsinformationsdienst DKFZ — Ernährung bei Neutropenie.

Wechselwirkung: Grapefruit (und verwandte Zitrusfrüchte)

Grapefruit, Pomelo, Bitterorange hemmen das Enzym CYP3A4 in Darm und Leber. Viele Krebsmedikamente werden darüber abgebaut — Grapefruit-Saft kann Blutspiegel massiv erhöhen (mehr Nebenwirkungen) oder senken (weniger Wirksamkeit).

Betroffen sind u. a.:

  • CDK4/6-Inhibitoren (Palbociclib, Ribociclib, Abemaciclib) — bei metastasiertem, hormonrezeptor-positivem Brustkrebs
  • Tamoxifen (indirekt, über CYP2D6/3A4)
  • Everolimus, Sirolimus
  • Viele weitere: Immunsuppressiva, Statine, Opioide …

Faustregel: Während aktiver Therapie auf Grapefruit, Pomelo, Bitterorangen-Marmelade und Grapefruit-haltige Getränke verzichten. Ein Glas Saft kann die Enzyme 24–72 h hemmen — zeitlicher Abstand hilft nicht.

Quellen: Onkopedia — Wechselwirkungen, Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.

Weitere relevante Wechselwirkungen

  • Johanniskraut (auch als „natürlich" verkauft) reduziert die Wirkung vieler Onko-Medikamente über CYP3A4-Induktion. Nicht einnehmen während Therapie.
  • Sojaprodukte / Phytoöstrogene — bei hormonrezeptor-positivem Brustkrebs individuell mit dem Team abstimmen. Moderate Mengen aus Lebensmitteln sind für die meisten unbedenklich; hochdosierte Isoflavon-Supplemente nicht.
  • Vitamin-Supplemente, insbesondere hochdosiertes Vitamin C, E, Selen: können Chemo-/Strahlentherapie-Wirkung mindern. Immer mit dem Onko-Team absprechen.
  • Alkohol — meiden oder nur in Absprache. Potenziert manche Nebenwirkungen und ist selbst Risikofaktor.

Quelle: Krebsinformationsdienst DKFZ — Nahrungsergänzungsmittel.

Bei Übelkeit & Appetitlosigkeit

  • Kleine Portionen über den Tag verteilt essen
  • Lauwarm statt heiß servieren (weniger Geruch)
  • Milde, wenig gewürzte Speisen bevorzugen
  • Ingwer-Tee, Pfefferminz-Tee — oft gut verträglich
  • Ausreichend trinken, auch wenn Essen schwerfällt
  • Bei anhaltendem Erbrechen → Antiemetika-Schema im Team prüfen lassen

Wann zum Arzt

  • Fieber ≥ 38,5 °C unter Chemotherapie → siehe Notfall
  • Anhaltendes Erbrechen oder Durchfall > 24 h
  • Mundschleimhaut-Entzündung, die Essen/Trinken unmöglich macht
  • Unbeabsichtigter Gewichtsverlust > 5 % in 4 Wochen

Quellen

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